ATP!Info

Tagung „Rechtliche Herausforderungen in der Autonomik für Industrie 4.0“

Berlin | Das Konzept der umfassenden Vernetzung innerhalb von Industrie 4.0 wirft völlig neue Fragen nach dem rechtlichen Rahmen von intelligenten Maschinen und Systemen auf. Datenschutz und IT-Sicherheit spielen eine ebenso große Rolle wie Haftungsfragen bei Unfallszenarien.

Wer haftet, wenn Industrieunternehmen Opfer von IT-Angriffen werden? Bild: BMWi Wer haftet, wenn Industrieunternehmen Opfer von IT-Angriffen werden? Bild: BMWi

Ein Roboter arbeitet mit einem Menschen zusammen und verletzt diesen. Wer haftet? Ein Roboter arbeitet mit einem Menschen zusammen und erzeugt ein Produkt, das sich als schadhaft herausstellt. Wie sieht hier die zivilrechtliche Haftung aus? Welche Rechtsfragen relevant werden können, wurde am Freitag in Berlin auf der Tagung „Rechtliche Herausforderungen in der Autonomik für Industrie 4.0“ beim VDI/VDE-IT von Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erörtert.

„Im Kontext von Industrie 4.0 stellt sich auch häufig die Frage nach der IT-Sicherheit: Wird beispielweise ein Unternehmen Opfer eines Spionage- oder Sabotageangriffs, ist nicht eindeutig, wer für den Schaden haftbar gemacht werden kann“, erklärt Prof. Eric Hilgendorf, Rechtsexperte innerhalb der Begleitforschung zum BMWi-Technologieprogramm „AUTONOMIK für Industrie 4.0“ und Leiter der Forschungsstelle „RobotRecht“ am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg.

In das Produktionsnetzwerk ist unter Umständen eine große Zahl von Partnern – Zulieferer, Kunden, Logistikunternehmen und andere Dienstleister – eng eingebunden: Die bekannten Verfahren für den Aufbau und Betrieb von Sicherheitsmanagementsystemen, die sich bislang vor allem auf die Umsetzung in einer Organisation ausgerichtet haben, müssen entsprechend erweitert werden: Auch der Wartungstechniker einer externen Firma, der sich über einen Fernzugriff oder vor Ort per Laptop in eine Maschine einwählt, kann bei Missbrauch unter Umständen haftbar gemacht werden.

Anhand von typischen Fallkonstellationen wurden die unterschiedlichen Rechtsfragen innerhalb der Tagung diskutiert. Einen Schwerpunkt bildeten Rechtsfragen zum Arbeitnehmerdatenschutz: Intelligente Maschinen erfassen ständig Daten. „Hier muss genau abgewogen werden, welche Daten erhoben werden und was damit möglicherweise passieren kann, um entsprechende, rechtskonforme Lösungen zu finden“, erklärt Hilgendorf.

Die Bundesregierung hat mit dem Zukunftsprojekt Industrie 4.0 einen neuen technologiepolitischen Schwerpunkt initiiert. Mit dem Technologieprogramm „Autonomik für Industrie 4.0“ leistet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung dieses Vorhabens.

14 Projekte mit rund 100 Partnern aus Industrie und Wissenschaft haben sich für eine Förderung durch das BMWi qualifiziert. Das BMWi unterstützt die Projekte mit einem Fördervolumen von rund 40 Mio. Euro. Mit begleitenden Forschungsmaßnahmen werden zudem wichtige Querschnittsfragen zu IT-Sicherheit, Recht, Normen & Standards sowie Zukunft der Arbeit in Industrie 4.0 behandelt.

autonomik40.de

Verwandte Themen
Staffelübergabe am Lemgoer Forschungsinstitut inIT weiter
Neue Feldbus-Komponente für sichere Signale weiter
VDE fordert Vier-Punkte-Programm für Industrie 4.0-Funktechnologien weiter
Sechs neue FMCW Radar-Füllstandmessgeräte weiter
Neuer Geschäftsbereich bei HIMA weiter
Ausstellerbeirat der SPS IPC Drives unter neuem Vorsitz weiter

Relevante Publikationen für Sie:

„Smarte“ Sensoren in der Feldebene Cover

„Smarte“ Sensoren in der Feldebene

Intelligente Überwachung von industriellen Anlagen
Thomas Glock/FZI Forschungszentrum Informatik / Martin Hillenbrand/FZI Forschungszentrum Informatik / Christoph Weiler/Siemens / Michael Hübner/Ruhr-Universität Bochum, FZI Forschungszentrum Informatik

mehr
Zuverlässigkeitsbewertung in frühen Entwicklungsphasen Cover

Zuverlässigkeitsbewertung in frühen Entwicklungsphasen

Ansatz basierend auf rigide definierten Softwarekomponenten
MICHAEL WEDEL/Universität Stuttgart

mehr
Zustandsüberwachung und Performanzprognose Cover

Zustandsüberwachung und Performanzprognose

Datenbasierte Verfahren für komplexe Industrieanlagen
Minjia Krüger/Universität Duisburg-Essen / Torsten Jeinsch/Universität Rostock / Peter Engel/PC-Soft / Steven X. Ding/Universität Duisburg-Essen / Adel Haghani/Universität Rostock

mehr