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Den Rollstuhl mit den Ohren steuern

Göttingen | Wissenschaftler aus Göttingen, Heidelberg und Karlsruhe haben nachgewiesen, dass sich Rollstühle mithilfe der Ohren steuern lassen. Diese Erkenntnis könnte Querschnittsgelähmten dabei helfen, mobiler zu werden.

Nach dem 5-tägigen Training konnten alle Probanden den Rollstuhl mithilfe ihrer Ohrmuskeln über das Testgelände steuern. Bild: Universitätsklinikum Göttingen Ein Chip hinter dem Ohr zeichnet die Muskelsignale auf und überträgt sie auf den Computer. Bild: Universitätsklinikum Göttingen

Bislang war das Steuern von Rollstühlen und Prothesen durch Aktivieren der Ohrmuskeln nur eine Idee. Nun konnten Wissenschaftler erstmals in einem Praxistest belegen, dass die Idee funktioniert. Die Forscher haben dafür den Prototyp einer Mensch-Maschine-Schnittstelle entwickelt. Ein kleiner Chip hinter dem Ohr zeichnet Muskelsignale auf, die dann per Funk an einen Computer übertragen werden. Die erste klinische Erprobung dieser Technologie mit zehn gesunden Probanden zeigt laut dem Universitätsklinikum Göttingen vielversprechende Ergebnisse.

„Die Ergebnisse aus dem ersten klinischen Praxistest übertreffen unsere Erwartungen“, sagt Prof. Dr. Liebetanz, Initiator und Leiter des Projekts. „Im Gegensatz zu bereits bestehenden Steuerungen, die zum Beispiel über die Atmung oder über Blickbewegungen funktionieren, müssten die Patienten bei der Ohrmuskelsteuerung nicht auf gleichzeitige soziale Interaktion verzichten.“

Bei dem Praxistest trainierten zehn gesunde Probanden fünf Tage jeweils eine Stunde täglich, um ihre Ohrmuskeln gezielt abwechselnd auf der rechten und linken Seite aktivieren zu können. Unterstützt wurden sie dabei von einer speziell zu diesem Zweck entwickelten Trainingssoftware.

Das Ergebnis des Tests: Alle zehn Probanden waren nach dem Training in der Lage, nur mit der Ohrsteuerung im Rollstuhl durch das Testgelände zu fahren. „Das hat uns wirklich verblüfft. Denn die Hälfte unserer Probanden hatte vor Beginn der Studie angegeben, überhaupt nicht mit den Ohren wackeln zu können“, sagt Prof. Liebetanz.

In den kommenden Jahren wird der Prototyp die Grundlage sein für die Entwicklung eines voll implantierbaren Systems. Die Ergebnisse dieser Technologie werden auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation in Berlin vom 12. bis 14. Dezember 2013 erstmals einem Fachpublikum präsentiert. neurologie.med.uni-goettingen.de

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