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Dicht besetztes Auditorium: Insgesamt 650 Teilnehmer konnte der NAMUR-Vorsitzende Dr. Wilhelm Otten zur Hauptsitzung in Bad Neuenahr begrüßen. Foto: NAMUR

NAMUR-Hauptsitzung: Mastering the Digital Transformation of the Process Industry

Beim 80. Zusammentreffen der NAMUR in Bad Neuenahr drehte sich in diesem Jahr alles um das Schwerpunktthema "Mastering the Digital Transformation of the Process Industry". Am 9. und 10. November erlebten rund 650 geladene Gäste spannende Workshops und Vorträge. Hauptsponsor der diesjährigen NAMUR-Hauptsitzung war GE Digital.

Tag 1: GE Digital lässt viele Fragen offen

GE hat die Digitalisierung selbst in die Hand genommen. Den Weg und die Strategie schilderten Simone Hessel, Dirk Voelkel und Carlos Härtel (v.l.).

„Industrie 4.0 ist die MSR-Technik von Geschäftsprozessen.“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. Wilhelm Otten, Vorsitzender der Namur, die diesjährige Namur-Hauptsitzung in Bad Neuenahr und stimmte die rund 650 geladenen Gäste auf das Motto der diesjährigen Hauptsitzung ein. „Mastering the Digital Transformation of the Process Industry“ war das zentrale Thema des Kongresses und damit auch dem Vortrag des Hauptsponsors GE Digital. Stellvertretend stellte Simone Hessel, Vice President Digital Transformation DACH, GE Digital, vor, wie der US-amerikanische Konzern GE die Digitalisierung angeht.

Überraschende Ansätze präsentierte das Unternehmen dabei allerdings nicht, denn auch GE setzt in Zeiten der digitalen Transformation auf software-basierte Lösungen und Data-Services. Mit der eigens dafür von GE entwickelten Cloud-Plattform Predix liefert GE die Infrastruktur für ihre Lösungen gleich mit. Auch nach dem Vortrag bleibt allerdings unklar, welchen Mehrwert Predix gegenüber etablierten Cloud-Lösungen bietet.

„Wir digitalisieren uns selbst“

GE, dass sich immer noch als „Heavy Metal“-Unternehmen bezeichnet, sieht in der Digitalen Transformation zunehmend den Menschen im Fokus. Die Interaktion zwischen Menschen, Assets und Prozessen werde sich drastisch verändern, so Hessel. Es bedürfe auch einer kulturellen Transformation, um die technologischen Errungenschaften gewinnbringend einsetzen zu können, erklärte Hessel und machte im gleichen Atemzug deutlich, dass GE die Digitalisierung vor acht Jahren „erfolgreich selbst in die Hand genommen hat“. Carlos Härtel, CEO GE Deutschland und Österreich, ordnete in der Folge seinen Teil des Vortrags der Fragestellung „Wie kreiere ich Wertschöpfung mit datengetriebenen Geschäftsmodellen?“ unter. Definitive Antworten auf diese Frage blieb Härtel schuldig, betonte allerdings die Rolle von GE als Anwender und Entwickler in einem und offenbarte, dass Wertschöpfung vor allem im Dialog mit dem Endkunden geschaffen würde.

Zum Abschluss des Vortrags des Hauptsponsors zeigte Dirk Voelkel, CTO GE Healthcare Life Sciences, auf, wie erfolgreich das Unternehmen seine Digitalstrategie auf den Unternehmensbereich Healthcare angewendet hat. Auch hier stehen datengetriebene Geschäftsmodelle im Mittelpunkt. Um das zu verdeutlichen, präsentierte Voelkel Beispiele aus der biopharmazeutischen Industrie, in der die beiden Konzernschwestern GE Healthcare und GE Digital Data Science und Analytics mit Domänen-Wissen und Prozesswissenschaft für die Life-Science-Industrien miteinander verzahnen. Das Ergebnis ist Kubio, mit dem der Time-to-Market erheblich reduziert werden kann. GE werde so immer mehr zu einem Plattformanbieter.

Kompetenz muss Komplexität die Waage halten

Nach der ersten Kaffeepause richtete Erwin Kruschitz, anapur AG, das Augenmerk des Kongresses dann auf Safety & Security. Im Fokus der Bemühungen müsse die inhärente Sicherheit stehen, so Kruschitz, und getreu dem Ansatz „System under Consideration“ die Sicherheitsstragie eines Unternehmens immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden. Wichtig sei auch, dass sich Konzepte im Bereich der Safety & Security nicht zu komplex werden dürfen. Getreu dem Motto „Je einfacher, desto besser“ müsse die Kompetenz der Komplexität die Waage halten. Die zur Zeit viel diskutierte IT/OT-Conversion, sprich die Verschmelzung von IT und OT, sieht Kruschitz vor allem als „Enabler“ der Digitalisierung.

PLT-Sicherheitstechnik – Evolution durch Digitalisierung

Vor welchen Herausforderungen die Prozessleittechnik in Zeiten der digitalen Transformation steht, machte Thomas Gabriel, Covestro AG, deutlich. Auch wenn die PLT-Sicherheitstechnik kein „early Adopter“ sei, müsse das „Zeitalter der Probalistik“ verlassen werden. Gabriel forderte mehr Multipurpose-Produkte, die mehr können als nur Infos aufbereiten. Dennoch müsse die Branche auch in diesem Bezug die Komplexität berücksichtigen, da sich mit steigendem Komplexitäts-Grad auch die systematischen Fehlerquellen vervielfachten. Die Voraussetzungen in Deutschland seien in dieser Hinsicht jedoch gut. Es herrsche bereits ein hohes etabliertes Niveau vor und auch die Diagnose durch Feldgeräte sei ausgreift. Wesentliches Potenzial sieht Gabriel vor allem bei der Optimierung von Prüfstrategien.

Arbeitskräfte entscheiden über den Erfolg der Digitalisierung

Stefan Brüggemann, BASF, verglich in seinem Vortrag „Boosting Plant Availability with Intelligent Data Analysis“ die verschiedenen Digitalisierungsansätze von IT-Unternehmen und der Prozessindustrie. So stehen bei IT-Unternehmen vor allem das Datenmanagement und Algorithmen im Vordergrund, während die Prozessindustrie sich in Bezug auf die Digitalisierung vor allem auf die Kerntechnologien fokussiert. In beiden Fällen entschieden jedoch die Arbeitskräfte über das Tempo und den Erfolg der Digitalen Transformation. Unter dem Stichwort „Maintenance Intelligence“ stellte Brüggemann dann in diesem Zusammenhang einen neuen BASF-Ansatz vor. So stellt ein Dashboard erstmals alle Kennzahlen grafisch dar, bevor es in die Tiefen des ERP geht. Der Anwender muss weniger Zeit mit der Recherche relevanter Daten verbringen, sondern bekommt schnell einen aussagekräftigen Überblick, bei dem er gezielt in einzelne Prozesse hineinschauen kann.

NOA – „Überholspur der Automatisierungspyramide“

Am Nachmittag fanden wie immer diverse Workshop-Runden statt, in denen verschiedene Experten neue Entwicklungen und Innovationen vorstellten. Sehr gut besucht war in diesem Jahr die Workshop-Reihe zur Namur Open Architecture (NOA), die auf der Namur-Hauptsitzung im vergangenen Jahr erstmals vorgestellt worden war. Mit NOA wird der Versuch unternommen, die bestehenden Automatisierungsstrukturen so zu öffnen und zu ergänzen, dass Innovationen (IoT, Industrie 4.0 etc.) nutzbar werden, ohne die Vorteile der bisherigen Automatisierung zu verlieren. Dieser Weg wurde durch den NAMUR-Arbeitskreis 2.8 „Automatisierungsnetzwerke und -dienste“ durch Entwicklung von NOA – NAMUR Open Architecture erarbeitet.

In diesem Jahr stellten nun vier verschiedene Hochschulen erstmals Demonstratoren vor, bei denen NOA praktisch umgesetzt wurde. Eine wesentliche Rolle dabei spielt auch OPC UA. „Der Interoperabilitätsstandard bildet die Zugbrücke zum Schatz der Daten in der Burg der PLT“, erklärte Prof. Dr. Leon Urbas. NOA sei dabei die Schatzkarte zu den Feldgeräten.

Gaben ein Status-Update zum Thema NOA: (v. l. n. r.) Prof. Leon Urbas, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Daniel Großmann, Technische Hochschule Ingolstadt, Christian Klettner, BASF, Prof. Dr. Ulrich Epple, RWTH Aachen und Prof. Dr.-Ing. Christian Diedrich, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
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